Otto Brenner Kompakt

Themen: Schiffbauindustrie / Offshore-Windenergie / Werftenkrise / Strukturwandel / Fachkräfte

Autor/en:

Tholen, Jochen / Ludwig, Thorsten

Projektbeginn:

01.09.2010

Potenzialanalyse des deutschen Schiffbaus –unter besonderer Berücksichtigung der Offshore-Windkraft

Projektziel:

Die Potenziale der stark anwachsenden Offshore-Windenergie sollen für die in der Krise sich befindliche Schiffbauindustrie ausgelotet und arbeitsorientierte Handlungsansätze entwickelt werden. Durch intelligentes Nutzen könnte eine drohende industrielle und damit auch soziale Verödung von besonders betroffenen Küstenregionen verhindert werden.

Projektnummer: 2010-102/202
Projektleitung:
Dr. Jochen Tholen
Universität Bremen, Institut Arbeit und Wirtschaft,
Leiter der Forschungseinheit „Wirtschaft und Finanzen“, seit vielen Jahren als akademischer Experte im EU Sozialdialog.
Universitätsallee 21 – 23, D-28359 Bremen
Tel. 0421 2183 286
Mobil: 0170 8049 673
Fax: 0421 2182680
www.iaw.uni-bremen.de

E-Mail: jtholen(at)uni-bremen.de
 
Thorsten Ludwig
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet er zum deutschen und europäischen Schiffbau, sowie zu regional und strukturpolitischen Fragestellungen.
Agentur für Struktur- und Personalentwicklung GmbH (AgS)
Anne-Conway-Str. 5
28359 Bremen
Tel. 0421 3349 615
Fax 0421 3349 626
www.ags-info.de
E-Mail: thorsten.ludwig(at)ags-info.de
 
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaftsförderung und Projektsteuerung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main
Tel: 069 6693 2390
Fax: 069 6693 2786
www.otto-brenner-stiftung.de

Projektbeschreibung:

1. Kontext / Problemlage
Das Projekt soll die Potenziale der Offshore-Windenergie für die Schiffbauindustrie ausloten und arbeitsorientierte Handlungsansätze entwickeln.
Hintergrund bildet der dramatische Rückgang an Aufträgen im Weltschiffbau um 85 Prozent in den Jahren der Krise zwischen 2007 und 2009. Sechs deutsche Werften mussten seit 2008 Insolvenz anmelden. Es geht um nicht weniger, als „eine drohende (industrielle und damit auch soziale) Verödung von besonders betroffenen Küstenregionen zu verhindern.“
Mit einem stark wachsenden Anteil der Windenergie von 7 Prozent in 2009 auf geplante 30 Prozent in 2030 und einer Zunahme an Beschäftigten von 90.000 auf geplante bis zu 250.000 wird sich die Offshore-Windenergie als wichtiges Geschäftsfeld für Werften und die maritime Zulieferindustrie entwickeln.
Die geplante Studie verfolgt drei Ziele:
- Die Ermittlung von Potenzialen der industriellen Strukturen der Offshore- Windenergieindustrie für Diversifizierungsstrategien der Schiffbau- und angrenzenden maritimen Zulieferindustrie. Dies umfasst sowohl neue Schiffsprodukte als auch Produkte jenseits des Baus von Schiffen.
- Die Sicherung des technischen, organisatorischen und qualifikatorischen Know-Hows in der Schiffbau- und angrenzenden maritimen Zulieferindustrie.
- Die Stärkung der betriebspolitischen Kompetenz von Interessenvertretungen im Bereich des Zukunftsfeldes Offshore-Windenergie.

2. Forschungshypothese und Fragestellung

Die Forschungshypothese lautet: Der Ausbau der Offshore-Windkraft kann durch proaktives Handeln von Industrie, Interessenvertretungen und Politik zu starken Impulsen bei Beschäftigung und Qualifizierung auf den Werften und der maritimen Zulieferindustrie führen. Die aufzufindenden gemeinsamen Schnittmengen von Schiffbau, Zulieferindustrie und Offshore-Windenergie könnten zu einer Erweiterung und damit Stärkung des maritimen Clusters beitragen.
Der weltweite und deutsche Schiffbau befindet sich in einem krisengetriebenen Strukturwandel. Gleichzeitig entsteht in der Offshore-Windkraftindustrie eine in mehrfacher Hinsicht zukunftsorientierte Technologie mit folgenden Möglichkeiten:
- Entstehung innovationsfähiger Cluster;
- Entwicklung kooperationsorientierter Netzwerke;
- nachhaltig, umweltverträglich, ressourcen-schonend;
- Einsatz neuer Werkstoffe und Innovationsfähigkeit;
- Anschluss an die hohen Qualifikationsprofile im Schiffbau.
Gegenüber einer in der Schiffbauindustrie noch vorherrschenden Orientierung auf das Produkt Schiff, scheint der Blick hin zur Entwicklung und Vermarktung grundsätzlich neuer Produkte mit dem existierenden Know How stärker zukunftsorientiert.

3. Untersuchungsmethoden

Die Studie erschließt das Forschungsfeld in der Abfolge von sechs Arbeitsphasen (AP): Dokumentenanalyse, Expertengespräche, standardisierte Befragungen, Fallstudien, Report und Öffentlichkeit.
Dient die Dokumentenanalyse (AP1) der Erarbeitung des Forschungsstandes, so wird durch die Auswahl kompetenter Akteure in Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Verbänden für die Expertengespräche (AP2) mit 20 geplanten Interviews die Situation in der Werften-/Zulieferer- und Offshore-Windenergieindustrie gut erfasst. Darauf aufbauend wird eine quantitative Befragung (AP3) in allen 38 deutschen Werften sowie in den Offshore-Windenergieunternehmen durchgeführt. Zwei Fallstudien (AP4) zu bereits konkretisierten Projekten zwischen Schiffbau-/Zulieferindustrie und Offshore-Windenergie runden diese Analyse ab. Der Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen (AP5) wird in einer Abschlusskonferenz mit relevanten Akteuren aus beiden Industrien zur Diskussion gestellt (AP6).
Die in der Studie zu untersuchenden Produktionsstandorte liegen überwiegend in Westdeutschland, teils aber auch in den neuen Bundesländern, vor allem Mecklenburg-Vorpommern.
Vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden und sich beschleunigenden Strukturwandels in der weltweiten Schiffbauindustrie ist die Analyse möglicher Potentiale dringend geboten.