Otto Brenner Kompakt

Zukunft für Ostdeutschland

Themen: Ostdeutschland / Fachkräftemangel / Qualifizierung / Kleinbetriebe

Autor/en:

Lutz, Burkart unter Mitarbeit von Grünert, Holle / Ketzmerick, Thomas / Wiekert, Ingo

Projektende:

14.06.2010
Projekt im Shop beziehen: Themen: Ostdeutschland / Fachkräftemangel / Qualifizierung / Kleinbetriebe
OBS-Arbeitsheft 65
Fachkräftemangel in Ostdeutschland – Konsequenzen für Beschäftigung und Interessenvertretung

Verfolgen Sie auch die Diskussion über die Studie in unserem Otto Brenner Blog
Projektnummer: 115-2008
Projektleitung:
Prof. Dr. Dr. h.c. Burkart Lutz
Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Emil-Abderhalden-Str. 6, 06108 Halle/Saale
lutz(at)zsh.uni-halle.de
ww.zsh-online.de
Bearbeiter/in:
Dr. Holle Grünert, Thomas Ketzmerick und Ingo Wiekert
Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Emil-Abderhalden-Str. 6, 06108 Halle/Saale
info(at)zsh.uni-halle.de
www.zsh-online.de
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaft und Forschung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main
burkard.ruppert(at)igmetall.de

Projektbeschreibung:

1. Kontext / Problemlage
Das Projekt fußt auf einer Kurzexpertise, die Prof. Burkart Lutz in der ersten Jahreshälfte 2008 für die Otto Brenner Stiftung durchgeführt hat. In dieser Expertise haben Lutz und sein Team auf der Grundlage bereits erhobener Arbeitsmarktdaten zu Ost- und Westdeutschland mögliche Szenarien zu den Entwicklungsperspektiven von Verdienst und Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland sowie der möglichen zukünftigen Verfasstheit der ostdeutschen Wirtschaftsstruktur skizziert. Im Falle einer weiteren Zuspitzung des ostdeutschen Fachkräftemangels bzw. der weiteren (tarif-)politischen Vernachlässigung des Problems firmieren in der Kurzexpertise gleichsam als Extremprojektionen die von Prof. Lutz so benannte „Verwilderung“ der ostdeutschen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen sowie die Gefahr eines neuen Entindustrialisierungsschubs in Ostdeutschland.
Im Mittelpunkt der Folgestudie stehen zwei, eng miteinander verbundene Untersuchungsziele: zum einen das Erlangen genauerer Erkenntnisse zu den personalpolitischen Strategien/Kompetenzen in kleinen und mittleren ostdeutschen Unternehmen; zum anderen die Auseinandersetzung mit dem Umgang des nach wie vor ausgeprägten Gefälles hinsichtlich der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen zwischen Ost- und Westdeutschland (30%iges Verdienstgefälle zwischen Ost und West).
Mittels einer empirischen Bestandsaufnahme zu beiden Themenkomplexen geht es der Folgestudie darum, realistische Szenarien der Ost-West-Angleichung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen herauszuarbeiten, deren Eintrittswahrscheinlichkeit schließlich über die Fachkräftesituation und somit über die ökonomische Zukunft Ostdeutschlands entscheidet.
2. Fragestellung
  • Wie weit sind personalpolitische Defizite verbreitet?
  • Welche Wege zur Überwindung dieser Defizite gibt es?
  • Wer ist der Treiber der Angleichung der Bedingungen zwischen Ost und West?
  • Wie wird der Angleichungsprozess ablaufen?
3. Untersuchungsmethoden
Die oben angeführten Fragestellungen bilden den Schwerpunkt sowohl der Experteninterviews als auch der Betriebsbefragungen per Telefoninterviews. Zur Einordnung von Rahmenbedingungen, Institutionen und Akteuren dienen ca. 10 leitfadengestützte Experteninterviews mit Funktionsträgern der Tarifpartner, Experten des ostdeutschen Arbeitsmarktes aus den Landesregierungen und der Bundesagentur für Arbeit sowie Wissenschaftlern mit einschlägigen Forschungserfahrungen. Betrieblich fundiert werden die Erkenntnisse durch telefonische Befragung von Personalverantwortlichen/ Geschäftsführern sowie Betriebsräten aus etwa 40 kleineren und mittleren Betrieben.
4. Darstellung der Ergebnisse
Gegenwärtig bahnt sich – allenfalls durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verzögert – im ostdeutschen Arbeitsmarkt, ein rascher Umschlag von massivem Nachwuchsüberschuss zu zunehmender, wahrscheinlich lang anhaltender Fachkräfteknappheit an, der die meisten Betriebe zu schnellen und tief greifenden Reaktionen zwingen wird, wenn sie überleben wollen. Hierbei werden viele Betriebe in Bedrängnis geraten, da sie auf diesen Reaktionszwang, der gegenwärtig bereits sichtbar wird, weitgehend unvorbereitet sind.
Ein Ausblick in die Zukunft beschreibt die mögliche „Verwilderung“ der Struktur von Verdienst und Arbeitsbedingungen als Risikofaktor. Ein „Abwerbekarussell“ von Fachkräften zu ungunsten der kleinen Betriebe wäre die Folge. Dem sei durch Kampagnen der Aufklärung, Ausbau von Betriebsnetzwerken und gezielte Maßnahmen zu begegnen. Beispielsweise indem man den heute 20 bis 30-Jährigen ohne Arbeit, Zugang zu einer „normalen“ Erwerbstätigkeit eröffnet.
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