Otto Brenner Kompakt

Zukunft für Ostdeutschland

Themen: berufliche Weiterbildung / Qualifizierung / Fachkräftemangel / Tarifpolitik / Deutschland / Europa

Autor/en:

Weinert, Rainer

Projektende:

26.08.2010
Projekt im Shop beziehen: Themen: berufliche Weiterbildung / Qualifizierung / Fachkräftemangel / Tarifpolitik / Deutschland / Europa
Berufliche Weiterbildung in Europa – Was Deutschland von nordeuropäischen Ländern lernen kann
Veröffentlichung: OBS-Arbeitsheft 66 
Eine Studie der Otto Brenner Stiftung, Frankfurt/Main, 2010, 108 Seiten


Projektziel:

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen skandinavischen Ländern und Deutschland in der beruflichen Weiterbildung werden in der Studie herausgearbeitet und Ansatzpunkte für eine gewerkschaftspolitische Strategie aufgezeigt. Zur Behebung von Qualifizierungsproblemen werden die in Schweden entwickelten „Technik-Colleges“ als Modell für Deutschland vorgeschlagen. Dabei bestimmen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände zusammen mit den Unternehmen die Qualitäts- und Effektivitätskriterien für die Einrichtungen des staatlichen und nichtstaatlichen Aus- und Weiterbildungssystems. Durch diese Zertifizierung in Verbindung mit einer generellen Aufwertung der Erwachsenenbildung könnte die Weiterbildungslandschaft in Deutschland partiell reguliert und dadurch dem Fachkräftemangel insbesondere in Ostdeutschland begegnet werden.
Projektnummer: 117-2009
Projektende: 26.08.2010
Projektleitung:
PD Dr. Rainer Weinert
Alt-Kladow 12a; 14089 Berlin
E-mail: weinert.rainer(at)gmail.com
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaftsförderung und Projektsteuerung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main
E-Mail: burkard.ruppert(at)otto-brenner-stiftung.de

Projektbeschreibung:

1. Kontext / Problemlage 
Die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland ist im internationalen Vergleich relativ gering und sozial selektiv. Die Hintergründe werden kontrovers diskutiert: Vertritt die eine Seite die Position, die nur geringe rechtliche Regelung von Weiterbildung führe zu deren Kommerzialisierung und Individualisierung, also zur Umwandlung in ein über den Markt gesteuertes privates Gut, reguliert über „Eigenverantwortung“. So thematisiert die Gegenposition berufliche Bildung als öffentliches Gut mit der Notwendigkeit entsprechender öffentlicher Regulierung.
Die Gewerkschaften fordern in der kontrovers geführten öffentlichen wie auch wissenschaftlichen Diskussion zu beruflicher Weiterbildung den Erhalt und die Stärkung des „Berufsprinzips“. Durch tarifpolitische Regelungen sollen entlang der Berufsbiografie erworbene Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen gesichert und weiterentwickelt werden.
Berufliche Weiterbildung bleibt ein zentrales Zukunftsthema in der modernen Arbeitsgesellschaft. Gerade in den Kleinbetrieben Ostdeutschlands ist das Management häufig nur sehr begrenzt in der Lage, eine mittel- und langfristige Personalplanung und Qualifizierung zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund ist der Blick in europäische Regionen vor allem skandinavischer Länder (Dänemark, Norwegen und Schweden) hilfreich, um zu überprüfen, inwiefern Konzepte zur beruflichen Weiterbildung einzelner Länder Europas – thematisch wie institutionell – auf Deutschland und insbesondere Ostdeutschland, übertragbar wären. Die sich abzeichnende Debatte über Fachkräftemangel könnte hier anschließen.
2. Fragestellung
Aufgrund der für Deutschland negativen Befunde hinsichtlich der beruflichen Weiterbildung wird der Frage nachgegangen, wie das Weiterbildungsverhalten in europäischen Nachbarländern aussieht, insbesondere solchen, die weitaus bessere Beteiligungsquoten aufweisen als Deutschland. Das sind vor allem die skandinavischen Länder. Folgende Fragen stehen in der Studie im Mittelpunkt:
  • Welches sind die Gemeinsamkeiten mit den skandinavischen Ländern, welches die Unterschiede?
  • Was machen die skandinavischen Länder besser?
  • Was kann Deutschland von den nordeuropäischen Ländern lernen?
3. Untersuchungsmethoden
Methodisch ist die Studie angelegt als Mix aus Sekundäranalyse und Akteursgesprächen mit Tarifexperten europäischer Metall-Gewerkschaften.
Für die Abbildung der Europäischen Wirklichkeit wird der Spannungsbogen von beruflicher Weiterbildung als privatem bzw. öffentlichem Gut in fünf idealtypische Stufen untergliedert. Dadurch können zunächst die unterschiedlichen europäischen Regelungen beschrieben und eingeordnet werden. Im zweiten Schritt werden diejenigen Weiterbildungskonzepte in den Blick genommen, die auch für Deutschland und im Besonderen für Ostdeutschland von Bedeutung sind.
4. Darstellung der Ergebnisse 
Die Analyse zeigt in den untersuchten skandinavischen Ländern einen starken gewerkschaftspolitischen Einfluss in der beruflichen Bildung, insbesondere auch durch die Tarifpolitik, der bis in die ersten Nachkriegsjahre zurückreicht. Diese Länder durchliefen ebenfalls eine Art ‚Wirtschaftswunder‘, was die Qualifizierung breiter Bevölkerungsschichten durch Erwachsenenbildung erforderte. Das führt bis heute zur positiven Einbettung der beruflichen Weiterbildung und einer sie unterstützenden Kultur in den Betrieben. Allerdings sind auch die skandinavischen Systeme nicht frei von Schwierigkeiten. Das betrifft insbesondere die Übergänge von der schulischen zur beruflichen Bildung. Hier steht Deutschland mit seiner dualen Berufsausbildung immer noch vergleichsweise gut da.
Besonders vielversprechend im Hinblick auf zukünftige Perspektiven scheint ein Ansatz aus Schweden zu sein. Dort wurden im Rahmen einer gemeinsamen Initiative von Arbeitgebern und Gewerkschaften sogenannte „Technik-Colleges“ errichtet. Es handelt sich um einen regionalen Ansatz zur Behebung von Qualifizierungsproblemen, bei dem die Sozialpartner und die Unternehmen das Sagen haben. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Deutschland und des Erfolgs dieser Initiative in Schweden schlägt der Verfasser der Studie, Rainer Weinert, vor, eine breite Übernahme des Modells zu prüfen. Obwohl es vergleichbare Einrichtungen auch schon in Deutschland gibt, könnte eine intensive Debatte über „Technik-Colleges“ die Diskussion über den Fachkräftemangel in Deutschland, und Ostdeutschland im Besonderen, beleben.
Projekt im Shop beziehen: Themen: berufliche Weiterbildung / Qualifizierung / Fachkräftemangel / Tarifpolitik / Deutschland / Europa