Frauenerwerbsarbeit im verarbeitenden Gewerbe – faire Chancen?
Studie zu den Entwicklungstrends der Frauenerwerbstätigkeit in ausgewählten Produktionsbranchen in Ost- und Westdeutschland
Projektziel:
Die Studie hat zum Ziel, einen Überblick zu geben über die aktuelle Erwerbslage von Frauen im verarbeitenden Gewerbe. Skizziert werden Entwicklungstrends in den letzten zehn Jahren. Im Kern geht es darum, branchenspezifische Erkenntnisse zur beruflichen Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu vermitteln. Die Analyse findet entlang von zwölf ausgewählten Branchen des verarbeitenden Gewerbes für Deutschland insgesamt und im Ost-West-Vergleich statt. Darüber hinaus kann die Studie neue Ansatzpunkte sowie Anregungen für die gleichstellungspolitische Arbeit und den politischen Diskurs für Branchendialoge und Betriebe eröffnen. Die detaillierte Datenanalyse soll Schritte zu einer sozialen und geschlechtergerechten Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft in Ost- und Westdeutschland aufzeigen und es ermöglichen, neue Perspektiven zu gewinnen.
Projektnummer: 2009-112-212
Projektleitung:
Claudia Dunst und Annemarie Weber
Wert.Arbeit – Gesellschaft für Arbeit, Chancengleichheit und Innovation mbH Berlin
Albrechtstr. 11 a, 10117 Berlin
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaftsförderung und Projektsteuerung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main
Projektbeschreibung:
1. Kontext / Problemlage
Ausgangspunkt der Studie ist die rechtlich immer stärkere Gleichstellung bei gleichzeitig weiterhin bestehender „Schieflage“ von Frauen in der Erwerbs- und Lebenssituation. Die rechtliche Gleichstellung wurde seit den 80er Jahren durch nationales Recht und seit der Jahrtausendwende zusätzlich durch EU-Richtlinien befördert. Eine Folge war die Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes. Dennoch belegen viele Studien, dass es für Frauen trotz höherer Qualifizierung und nahezu hälftigem Anteil an den Beschäftigten, im realen Berufsleben bisher noch nicht zu einer wirklichen Gleichstellung gekommen ist. Dies zeigt sich vor allem beim Vergleich von Arbeitszeiten, Entlohnung, Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierewegen.
2. Fragestellung
Im Mittelpunkt der Studie steht, den Stand der Anpassung sowie immer noch bestehender Unterschiede aufzudecken, um Aussagen über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen in Ost und West zutreffen. Dies erlaubt es, den Begriff „faire Chancen“ der Frauenerwerbsarbeit nicht nur in Abgrenzung zur Erwerbssituation von Männern zu definieren, sondern ebenso in einem frauenspezifischen Ost-West-Vergleich.
3. Untersuchungsmethoden
Die zwölf ausgewählten Industriebranchen werden untersucht, aber auch mit den Ergebnissen einer zentralen Vorläuferstudie für die Jahre 1990-1999 verglichen, um Langzeittendenzen erkennen zu können. Durch einen breit angelegten Zugang mit relevanten Faktoren wird das komplexe Untersuchungsfeld gut ausgeleuchtet und Hinweise jenseits der Standartindikatoren (Erwerbs-, Erwerbstätigen-, Arbeitslosenquote) eröffnet. Dies ermöglicht einen Blick mit mehr Tiefenschärfe, um die geschlechterspezifischen Strukturen und Trennungslinien zu erfassen, aus denen sich Divergenzen für Männer und Frauen auf dem Arbeitsmarkt ergeben. Die Analyse wird vor allem gespeist aus den Daten der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt durch Mikrozensus und das IAB-Betriebspanel. Dadurch wird ein Abgleich der untersuchten Branchen gegenüber der gesamtwirtschaftlichen weiblichen Beschäftigungsentwicklung ermöglicht.
4. Ergebnisse
Die Resultate der Studie unterstreichen, dass nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern auch zwischen Ost- und Westdeutschland immer noch große Ungleichheiten in Bezug auf gleiche bzw. faire Chancen bestehen. Ein durchaus differenziertes Bild zeigt sich, wenn man die Situation entlang der einzelnen Branchen betrachtet. In der männerdominierten Automobilindustrie ist der Frauenanteil an Beschäftigten und Auszubildenden seit 1999 gestiegen, in der frauendominierten Textil- und Bekleidungsindustrie nimmt er hingegen ab. Insgesamt ist das verarbeitende Gewerbe klar männlich dominiert. Besonders deutlich wird dies in der Gruppe der hoch qualifizierten Beschäftigten – gerade in Westdeutschland. Der „Gender Pay Gap“ ist im verarbeitenden Gewerbe nach wie vor ungebrochen. Verstärkt wird dieser Effekt durch Einkommensunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Das macht ostdeutsche Frauen zu „doppelten Verliererinnen“, wenn es um das Einkommen geht.
In der Studie werden Handlungsempfehlungen für die Praxis der Interessenvertretungen zur Umsetzung von fairen Chancen im verarbeitenden Gewerbe entworfen. Die Studie kann somit auch neue Ansatzpunkte sowie Anregungen für die gleichstellungspolitische Arbeit und den politischen Diskurs für Branchendialoge und Betriebe eröffnen. Die detaillierte Datenanalyse soll Schritte zu einer sozialen und geschlechtergerechten Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft in Ost- und Westdeutschland aufzeigen und es ermöglichen, neue Perspektiven zu gewinnen.