Die Studie liefert Erkenntnisse über die Wirksamkeit eines der bekanntesten Instrumente für Unternehmensverantwortung. Im Rahmen des Projektes wird die Verankerung der zehn Prinzipien des Global Compact (GC) in der Praxis deutscher Mitgliedsunternehmen“ untersucht. Dabei wird überprüft, wie das Verhalten der Firmen Arcandor, Faber-Castell, Henkel und VW diesen Prinzipien entspricht. Die Firmen stehen repräsentativ für entscheidende Branchen der Wirtschaft. Untersucht werden die Motivation für den Beitritt, die Beweggründe für ein anhaltendes Engagement im GC sowie die Einhaltung der zehn Prinzipien des Paktes. Sowohl Übereinstimmungen zwischen den GC-Prinzipien und der Firmenpolitik als auch Abweichungen werden ermittelt.
Projektende: 05.02.2010
Projektleitung:
Dr. Brigitte Hamm
Institut für Entwicklung und Frieden, Universität Duisburg-Essen
Geibelstr. 41, D-47057 Duisburg
brigitte.hamm(at)uni-due.de
www.humanrights-business.org
Hannes Koch
European Institute for Globalisation, Research (e4globe)
Wartenburgstr. 4, D-10963 Berlin
hannes.koch(at)e4globe.org www.e4globe.org/globalisation
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaft und Forschung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79,
60329 Frankfurt am Main
burkard.ruppert(at)igmetall.de
Projektbeschreibung:
1. Kontext / Problemlage
Ausgangspunkt ist die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen. Der im vorliegenden Fall untersuchte Global Compact (GC) stellt ein Instrument der Unternehmensverantwortung dar, bestehend aus zehn unverbindlichen Prinzipien, deren tatsächlicher Einfluss auf die jeweiligen Unternehmenspolitiken bislang wenig erforscht ist.
Der GC definiert zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Sozialstandards, Ökologie und Korruptionsbekämpfung, die für die Mitgliedsfirmen des GC (3.200 Unternehmen insgesamt, rund 100 deutsche Unternehmen) den Charakter eines unverbindlichen Referenzrahmens besitzen.
Die Untersuchung der Wirksamkeit der GC-Prinzipien erfolgte - exemplarisch - am Beispiel von vier dem GC beigetretenen deutschen Unternehmen aus unterschiedlichen Kernbranchen: Arcandor AG (Handel), Faber Castell (Konsumgüter), Henkel KgaA (Chemie) und Volkswagen AG (Automobilbau).
2. Fragestellung
- Was hat die Unternehmen dazu bewegt, durch ihren Beitritt sich am Global Compact zu beteiligen?
- Welchen Stellenwert haben die zehn Prinzipien des GC für die jeweiligen Unternehmen?
- Was sind die Beweggründe für ein anhaltendes Engagement im GC und in welcher Form und Intensität nehmen die Unternehmen an den Politik-Dialogen des GC teil?
- Wie stark ist die Bereitschaft der Unternehmen die GC-Prinzipien zu verbindlichen Verhaltenskodizes auszubauen und diese auch einzuhalten?
- Welche Maßnahmen ergreift Global Compact gegenüber Verstößen und „schwarzen Schafen“ in Bereichen, in denen Unternehmen in Konflikt mit den GC-Prinzipien geraten?
- Welche Übereinstimmungen zwischen den GC-Prinzipien und der Firmenpolitik als auch Abweichungen können aufgefunden werden?
3. Untersuchungsmethoden
Methodologisch wird ein Ansatz der „most-different-systems“ verfolgt. Dabei wird ein Sample aus vier unterschiedlichen Unternehmen zusammengestellt, die sich bezüglich Branchenzugehörigkeit, Eigentümerstruktur, Mitbestimmungsstruktur und -kultur sowie Beitritt zum Global Compact deutlich voneinander unterscheiden. Methodisch greift das Projekt auf Inhaltsanalysen, Datenerhebung und ExpertInneninterviews zurück.
Der Einfluss des Global Compact auf die jeweiligen Unternehmenspolitiken wurde - kontrastierend - durch die Gegenüberstellung mit anderen Mechanismen der Unternehmensverantwortung wie dem „Runden Tisch Verhaltenskodizes“ und dem „Netzwerk für Unternehmensverantwortung (CorA)“ ermittelt.
4. Darstellung der Ergebnisse
Die vier untersuchten Unternehmen sind aktive Mitglieder des GC. Sie berichten regelmäßig und ausführlich über die Einhaltung der GC-Prinzipien. Teilweise wurden sie für ihre Berichterstattung ausgezeichnet.
Ihr von den Vorständen beschlossener Beitritt zum GC stellt jedoch keinen Einschnitt in die Unternehmenspolitik dar, sondern ist als Fortführung einer bereits vorher entwickelten umfassenden Nachhaltigkeitspolitik zu verstehen. Eine wesentliche Triebfeder des Engagements besteht im erhofften und erzielten Imagegewinn. Eine Kommunikation der Ziele und Mechanismen des GC in die unteren Ebenen der Unternehmen findet kaum statt.
Die Unternehmen bemühen sich zum großen Teil erfolgreich, die zehn Prinzipien des GC umzusetzen. Ein qualitativer Zugewinn ihrer Nachhaltigkeitspolitik durch den Beitritt zum GC und die Mitgliedschaft in diesem Netzwerk ist in der Regel aber nicht zu verzeichnen. Neue Ansätze und Aktivitäten entwickeln Arcandor, Henkel und VW bei der Korruptionsbekämpfung. Auch das Thema Menschenrechte gelangt vor allem bei VW zunehmend ins Blickfeld. Diese Themen waren bisher nicht Gegenstand der traditionellen Nachhaltigkeitspolitik.