Otto Brenner Kompakt

Europa sozial gestalten

Themen: Schiffbau / Europa / Qualifizierung / Arbeitspolitik

Autor/en:

Ludwig, Thorsten / Smets, Florian / Tholen, Jochen

Projektende:

11.05.2009
Projekt im Shop beziehen: Themen: Schiffbau / Europa / Qualifizierung / Arbeitspolitik
Schiffbau in Europa – Panelstudie 2008
Veröffentlichung: OBS-Arbeitsheft 59
Studie der Hans-Böckler-Stiftung, Otto Brenner Stiftung und Community of European Shipyards’ Associations (CESA), Frankfurt/Main, Juni 2009, 30 Seiten (deutsch und englisch)
Projektziel:
Dieser Bericht untersucht die europäische Schiffbauindustrie vor dem Hintergrund eines möglichen Rückgangs der Nachfrage nach Schiffsneubauten. Behandelt werden Themen wie Arbeitskosten, Einkommen, Qualifikation und Arbeitszeit. Vor allem aber sollen für eine global wettbewerbsfähige europäische Schiffbauindustrie mögliche Probleme identifiziert und Chancen aufgezeigt werden. Die globale Finanzmarktkrise und die wirtschaftliche Rezession, sichtbar und spürbar geworden ab dem Herbst 2008, konnte in dieser Ende 2007/Anfang 2008 durchgeführten empirischen Studie keine Rolle spielen.
Projektnummer: 101-2008
Projektende: 11.05.2009
Projektleitung:
Thorsten Ludwig, Florian Smets, Jochen Tholen
Universität Bremen, Institut für Arbeit und Wirtschaft (IAW)
Universitätsallee 21-23, D-28359 Bremen
E-Mail: info(at)iab.uni-bremen.de
Internet: www.iab.de
Kontakt:
Dr. Burkard Ruppert
Otto Brenner Stiftung, Referat Wissenschaft und Forschung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79, 60329 Frankfurt am Main
E-Mail: burkard.ruppert(at)igmetall.de

Projektbeschreibung:

1. Kontext / Problemlage
Die Schiffbauindustrie und der Weltseehandel sind zentrale Elemente der maritimen Wirtschaft, deren Bedeutung auch zukünftig steigen wird. Der Schiffbau hat sich dabei zu einer High-Tech-Industrie entwickelt, die in einem zunehmenden Maße auf Schlüsseltechnologien wie Elektronik- und Antriebstechnologien sowie Materialwissenschaften zurückgreift.
Der Schiffbaumarkt ist durch einen scharfen globalen Wettbewerb bestimmt. Der europäische Schiffbausektor als ein Kernelement des maritimen Clusters unterlag zwischen 1970 und 2003 deutlichen Schrumpfungsprozessen. Dies lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass eine steigende Anzahl japanischer, südkoreanischer und in jüngster Zeit auch chinesischer Werften als Wettbewerber aufgetreten sind. In den letzten Jahren zwischen 2003 und bis 2007 stieg die Nachfrage nach Handelsschiffen stark an und blieb auch im ersten Halbjahr 2008 auf einem hohen Niveau.
Grund dafür war die stark wachsende Weltwirtschaft im Allgemeinen und die überproportionalen Wachstumsraten des Weltseehandels im Besonderen. Darüber hinaus verstärkte die zunehmende Globalisierung und die damit einhergehende Internationalisierung der Produktionsprozesse die Nachfrage nach Transportdienstleitungen. Dabei erfolgt mehr als 90 Prozent des Außenhandels und etwa 40 Prozent des Binnenhandels der Europäischen Union über den Seeweg. Insofern war eine hohe Nachfrage nach Handelsschiffen eine direkte Folge des steigenden Seehandels.
Die weltweite Wirtschaftskrise konnte in dieser Studie noch keine Rolle spielen. Das Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen führte schon im Jahre 2004 eine Totalerhebung des europäischen Schiffbaus durch. Im Jahre 2007 wurde das IAW gebeten, eine Wiederholung dieser Studie (Panel) durchzuführen, um Veränderungen zur Vorgängerstudie zu ermitteln. Die ersten Ergebnisse dieser Panelstudie wurden dann im April 2008 im Rahmen der Europäischen Schiffbauwoche der EU Kommission und den Akteuren der Schiffbauindustrie (Gewerkschaften und Verbände, Werften und Experten) in Brüssel vorgestellt. Die Studie gibt zunächst einen kurzen Überblick über die jüngsten Entwicklungen und zeigt die Kapazitätsauslastung der kommenden Jahre (immer noch vor Beginn der Rezession).
2. Fragestellung
Behandelt werden Themen Arbeitskosten, Einkommen und Arbeitszeit. Kern ist jedoch die Identifizierung von möglichen Problemen und das Aufzeigen von Chancen für eine global wettbewerbsfähige europäische Schiffbauindustrie, die sich auch unter schärfer werdenden Marktbedingungen behaupten kann.
3. Untersuchungsmethoden
Der Fragebogen der Panelstudie beruht auf dem Erhebungsinstrument der Studie „Schiffbau in Deutschland und Europa“ aus dem Jahr 2004 und wurde im Herbst 2007 erstellt. Anfang 2008 wurden diese Fragebogen verschickt. Auf dem Fragebogen der vorangegangenen Erhebung wurden wesentliche Fragen ausgewählt und ggf. den neuen Anforderungen entsprechend angepasst. Der Fragebogen umfasste dabei folgende Themen:
  • Allgemeine Fragen zu Schiffstypen, Auftragsbeständen und Beschäftigten
  • Arbeitszeit, Bruttoeinkommen und Personalkosten
  • Personalanwerbung und -qualifizierung
  • Image der Schiffbauindustrie
  • Bedeutende Themen der Initiative European LeaderSHIP 2015
  • Kooperationen.
Im Gegensatz zur Umfrage aus dem Jahr 2004 fiel die Entscheidung bei der Erhebung 2008 für eine Vorgehensweise, bei der die Schiffbauverbände bzw. Gewerkschaften als erste Ansprechpartner fungierten (association focussed approach). In der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2004 wurde hingegen jede einzelne Werft angeschrieben (shipyard focussed approach). Daher wurde der Fragebogen im Januar 2008 zur Community of European Shipyards’ Associations (CESA) und zum Europäischen Metallgewerkschaftsbund EMB (Englisch: European Metalworkers’ Federation-EMF) in Brüssel geschickt. Diese leiteten den Fragebogen an die nationalen Schiffbauverbände bzw. Gewerkschaftsverbände in 14 europäische Länder weiter. Das Management der Werften und die Betriebsräte gaben die entsprechenden Informationen an die nationalen Verbände bzw. Gewerkschaften, die diese Angaben sammelten und die Fragebögen ausfüllten. Abschließend sendeten die nationalen Schiffbauverbände und die Gewerkschaften die Fragebögen zurück zur Universität Bremen, wo die Auswertung stattfand.
4. Darstellung der Ergebnisse
Der globale Wettbewerb im Weltschiffbau wird von der derzeitigen Wirtschaftskrise noch weiter verschärft. Im Moment treffen im weltweiten Schiffbaumarkt zwei Prozesse aufeinander und verbinden sich zu einer erheblichen negativen Dynamik:
  • die auch ohne Krise ab dem Jahre 2012 erwartete, insbesondere durch die Expansion des chinesischen Schiffbaus geförderte Überkapazität in vielen Segmenten (u.a. im Containerschiffbau) und
  • die gegenwärtige Wirtschaftskrise mit ihren dramatischen Einbrüchen auch im weltweiten Handel: Viele Schiffsaufträge sind bereits storniert und viele bereits ausgelieferte neue Schiffe werden derzeit stillgelegt.
Die Voraussetzungen für den Bau eines Schiffes haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich modifiziert. Fertigungsprozesse finden immer stärker im Rahmen komplexer Strukturen statt und zusehends neue Technologien halten in den Schiffbau Einzug. Die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schiffbauindustrie gründet sich zentral auf die Entwicklung innovativer Produkte, einer stetigen Optimierung der Produktionsprozesse und der Weiterqualifizierung der Beschäftigten. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess und bleibt auch deshalb eine ständige Herausforderung für jede einzelne Werft in Europa. Weiterhin hebt die Untersuchung hervor, dass die Mehrheit der europäischen Werften untereinander kooperiert, gleichwohl ist die Qualität dieser Kooperationen weiterhin sehr niedrig. Im Wesentlichen konzentrieren sich im Jahr 2008 die Kooperationsaktivitäten auf den Bereich der Stahlbauarbeiten. Deutlich geringer fällt dagegen der Grad der Kooperation zwischen Werften in den Bereichen Konstruktion, Design, Ausstattung, Forschung & Entwicklung, Einkauf und Marketing aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Etablierung fairer Wettbewerbsbedingungen, eine Intensivierung von Forschung & Entwicklung und verstärkte Kooperationen zwischen den Werften ausschlaggebend für die Zukunft des europäischen Schiffbaus sind. Der Sicherung des Zugangs zu qualifiziertem Personal kommt in diesem Zusammenhang eine herausragende Rolle zu.
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