"Integrationshemmnis Leiharbeit –
Auswirkungen von Leiharbeit auf Menschen mit Migrationshintergrund"
Informationen zum Projekt:
Projektnummer: 2010- 212
Projektleitung:
Dr. Sandra Siebenhüter
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät – Wirtschafts- und Organisationssoziologie, Ostenstraße 27, 85072 Eichstätt
Kontakt:
Andreas Kolbe
Otto Brenner Stiftung
Wilhelm-Leuschner-Straße 79,
60329 Frankfurt am Main
Projektziel:
Die Studie widmet sich einem bisher wenig erforschten Aspekt einer atypischen Beschäftigungsform: Migranten in Leiharbeit. Unbeeindruckt von ökonomischen Erfolgsmeldungen blickt die Autorin auf die Menschen, die gewöhnlich nur in Statistiken erfasst werden – und das sogar teilweise ungenau. Das Arbeitsheft soll aufzeigen, was es bedeutet in Deutschland von Leiharbeit „betroffen“ zu sein.
Projektbeschreibung:
1. Kontext / Problemlage
Insbesondere für neu zugewanderte Migranten hat der Arbeitsplatz eine identitätsstiftende und stabilisierende Funktion. Die Anerkennung ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten ist ein erster wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit in einem fremden Land, eine Vorraussetzung für erfolgreiche Integration. Diese Funktion könnte grundsätzlich auch einen Leiharbeitsplatz erfüllen. In der Realität ist Leiharbeit jedoch eine mehrfach prekäre Beschäftigung: wirtschaftlich, sozial und politisch. Tatsächlich prallen hier die Nachteile der Leiharbeit und die Schwierigkeiten des Integrationsprozesses aufeinander. Denn immer noch ist in Deutschland der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt für viele Migranten durch gesetzliche Vorgaben verschlossen. Erst auf Druck der Wirtschaft hat auch die Bundesregierung die Potenziale dieser Menschen erkannt und das „Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen“ (Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz – BQFG) auf den Weg gebracht, das ab Januar 2012 wirksam werden soll. Wen überrascht es da noch, dass die Vereinten Nationen in ihrem UN-Staatenbericht im Juli 2011 die Bundesrepublik stark dafür kritisiert haben, dass Migranten immer noch diskriminiert werden und sie sich insbesondere großen Einschränkungen in ihren Rechten auf Bildung und Beschäftigung gegenübersehen? Zwar wurden inzwischen einige wenige Regelungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes verändert, aber genügt das, um die grundlegenden Probleme anzupacken?
2. Fragestellungen
Die explorative Studie untersucht im Kern die Auswirkungen von Leiharbeit auf Migranten. Sie beschreibt die Folgen von wirtschaftlicher, sozialer und politischer Exklusion, die eine gesellschaftliche Integration in erheblichem Maße behindert.
Die Leitfragen lauten:
1. Wir wirken sich die ohnehin existierenden Probleme bei der Leiharbeit insbesondere auf Leiharbeitnehmer mit Migrationshintergrund aus?
2. Welche Dynamiken wohnen dem System Leiharbeit inne, was sind deren Folgen?
3. Stimmt die Behauptung: „Arbeit schafft Integration“?
3. Untersuchungsmethoden
Im Zentrum stehen 116 qualitative Interviews mit (teilweise ehemaligen) Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern, von denen der Großteil einen Migrationshintergrund hat; Betriebsräten von Entleihern und Verleihern; Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitgeberverbänden sowie Arbeitsvermittlern, Arbeitsrichtern, Wissenschaftlern, Journalisten, sogar Ärzten und Pfarrer.
Wissenschaftliche Literatur und relevante Dokumente (Unternehmensdarstellungen von Leiharbeitsverbänden und Verleihern, Artikel in Fachzeitschriften usw.) wurden dazu ergänzend analysiert.